Das Wort zum Karfreitag

6. April 2012 § Ein Kommentar

„Es ist oft schwierig, mit einem Menschen umzugehen, der viel oder nur noch meckert“, sagte die Pflegeexpertin Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe vor einiger Zeit der dpa. Da ging es um das Phänomen, dass zahlreiche Senioren aufgrund altersbedingter Veränderungen im Gehirn immer unausstehlicher werden. Man müsse ihnen dann umso sanfter und verständnisvoller begegnen, riet die Expertin.

Eben dieses hat Moderator Tom Buhrow versucht, als er in der gestrigen Ausgabe der ARD-Tagesthemen den 85-jährigen Günter „Literaturnobelpreisträger“ Grass zu dessen zum Gedicht umdeklarierten Anti-Israel-Pamphlet „Was gesagt werden muss“ interviewte. Zuvor hatte Grass über sein „Sekretariat“ mitteilen lassen, dass er in den Tagesthemen Fragen zu seinem Gedicht beantworten werde. Auch Mitarbeiter des ZDF-Kulturmagazins aspekte werde er „empfangen“, wie es huldvoll hieß.

Um 23 Uhr, nach der Quizsendung „Schlau wie die Tagesschau“, war es dann so weit. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Nachhilfe für Sigmar Gabriel

15. März 2012 § 5 Kommentare

In Hebron betreibe Israel ein „Apartheid-Regime“, schrieb der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel, nachdem er – vermutlich mit einer israelischen Menschenrechtsgruppe – einen Abstecher dorthin unternommen hatte. Da er sich mit Geschichte und Gegenwart der Stadt offenbar nicht beschäftigt hatte und unkritisch die Ansichten seiner Begleiter übernahm, sei hier auf drei Artikel hingewiesen, in denen unabhängig voneinander Besuche in Hebron geschildert werden, nebst historischem Hintergrund sowie kritischen Anmerkungen zur Agenda derjenigen, die Führungen durch jenen winzig kleinen Teil Hebrons veranstalten, in dem jüdische Siedler leben.

Jüdisches Wohnhaus in Hebron

Jüdisches Wohnhaus in Hebron

Der Historiker Yaakov Lozowick nahm im Dezember 2009 an einer Führung durch Hebron mit der israelischen Menschenrechtsgruppe B’tselem teil. Hier seine Eindrücke:

Hebron has been part of the Jewish story since its beginning, millennia ago. The pre-Zionist Jewish settlement had been there for centuries. The Jewish-Muslim relations in the early 20th century were good, and the Jews refused to believe their Arab neighbors would harm them. There was a massacre in 1929 when some neighbors murdered 67 Jews, while others protected Jews and saved their lives. Between 1929 and 1968 there were no Jews in Hebron. Their return, in 1968, was the first act of Israeli settlement in the West Bank. …

In 1997, when Israel ceded control of Hebron to the Palestinian Authority, it retained control of the eastern edge, designated H2, while the PA controlled most of town, H1. Israelis aren’t allowed into H1, so we came in not on the road marked „Jerusalem“ but through Kiryat Arba to the east. Some 10% of the Arab populace lives in H2, but as this B’tselem map shows (original here), they’re restricted only in a small sliver of H2.

Gabriel macht den Polenz

14. März 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Sigmar Gabriel war in Israel und verkündet auf seiner Facebook-Seite folgendes:

„Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“

Nach so einer Äußerung ist Gabriel als Parteivorsitzender der SPD völlig untragbar. Er sollte sofort zurücktreten.

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Update: Gabriel „erläutert“ auf Facebook seinen Fauxpas und macht alles noch schlimmer:

„Ich halte die aktuelle Siedlungspolitik für falsch. Ich halte die Verhältnisse in Hebron für unwürdig. Beides würde mich nicht so bewegen, wenn ich nicht ein Freund Israels wäre (um mal diesen pathetischen Begriff zu wählen). Wir tun weder uns noch unseren Freunden in Israel einen Gefallen, wenn wir unsere Kritik immer nur in diplomatischen Floskeln verstecken.“

Genau, wahre Freunde werfen einem Apartheid-Vorwürfe an den Kopf. Mit solchen Freunden braucht man wahrhaftig keine Feinde mehr.

»Ein neues Bewusstseinsniveau«

27. August 2011 § 2 Kommentare

Ein Gespräch mit dem Präsidenten des Re’ut-Instituts und ehemaligen Regierungsberater Gidi Grinstein über soziale Proteste, Sicherheitsfragen und einen neuen Gesellschaftsvertrag

Gidi Grinstein


Herr Grinstein, Sie nehmen an den Sitzungen des Trajtenberg-Komitees teil, das die israelische Regierung einberufen hat, um Vorschläge zur Lösung der sozialen Probleme in Israel zu machen. Worum geht es dabei?
Die Probleme sind dreifacher Natur: stagnierende Lohnentwicklung, steigende Lebenshaltungskosten und schwindende öffentliche Dienstleistungen. Kurz gesagt, mehr Ausgaben bei weniger Einkommen. Das führt zu immer größerer Armut. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Israel-Blog, Director’s Cut

25. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Meine diversen Israel-Blogs der vergangenen Jahre habe ich nun an folgendem Ort gesammelt & archiviert, teils mit neuen Fotos:

Dieses Jahr in Jerusalem

Updates folgen.

„Wir werden nicht Selbstmord begehen.“ Ein Interview mit Danny Yatom

11. Juli 2011 § Ein Kommentar

In einem Hotel am Potsdamer Platz treffe ich den Ex-Mossadchef Danny Yatom. Er ist in Berlin, um die „Israelische Friedensinitiative“ (IPI) vorzustellen, deren Mitgründer er ist. Zweierlei verblüfft mich im Gespräch mit dem Veteranen der Arbeitspartei: wie stark er an den palästinensischen Friedenswillen glaubt und wie leichtfertig er Vorschläge macht – und das Ausland darum bittet, diesen durch Druck auf die israelische Regierung Nachdruck zu verleihen -, die ganz klar am demokratisch geäußerten Willen der israelischen Bevölkerung vorbeigehen, etwa was die Teilung Jerusalems betrifft. IPI hat in Deutschland erwartungsgemäß viele Anhänger gefunden, unter anderem die grüne Heinrich-Böll-Stiftung. Doch im Gespräch wird ebenfalls klar, dass Danny Yatom kein naiver Pazifist ist und sehr genau weiß, dass die eigentlichen Friedenshindernisse im Nahen Osten nicht Netanjahu und Lieberman heißen, sondern Hamas und Iran.

Herr Yatom, Sie sind einer der Mitgründer der israelischen Friedensinitiative IPI. Was wollen Sie erreichen?
Danny Yatom: Diese Initiative und die arabische Friedensinitiative von 2002 schaffen eine solide Grundlage, um die Friedensgespräche wieder aufzunehmen. Wir erklären, dass wir die arabische Friedensinitiative akzeptieren, aber wir fügen unsere eigene Position hinzu.

Was ist der Unterschied zur arabischen Initiative, was haben Sie selbst hinzugefügt?
Was wir völlig zurückweisen, ist das Rückkehrrecht für die Nachfahren der palästinensischen Flüchtlinge. Die können in einen palästinensischen Staat zurückkehren, aber nicht nach Israel. Dann das Thema Grenzverlauf. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Fische im Wasser

22. April 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Moral ist relativ, so haben wir aufgeklärten Multikulturalisten gelernt, die Welt zu sehen – was im Lande X zu den guten Sitten zählt, ist im Lande Y bei Strafe verboten. Und doch gibt es bestimmte Universalien, die in jeder menschlichen Gesellschaft zu finden sind. Einem drei Monate alten Baby den Hals durchzuschneiden, gilt überall als barbarische Tat. Wirklich überall?

Vor wenigen Wochen wurde die Familie Fogel, die in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland lebte, bestialisch ermordet – die Eltern und drei ihrer Kinder, nur weil sie Juden waren. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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