“Darauf bin ich gar nicht scharf”

Der Soziologe Gerhard Amendt begrüßt es, daß sich in der Erörterung der Frage, warum sich auf den obersten Sprossen der Karriereleiter immer noch weniger Frauen als Männer tummeln, der Akzent allmählich von der Diskriminierungsthese wegbewegt:

Frauen beginnen sich zu fragen, warum ihre Erfolge begrenzt scheinen, und nicht mehr, welcher Mann sie am Erfolg gehindert und welche Institution ihnen ein Bein gestellt oder warum der Sozialstaat ihnen das Problem nicht schon längst aus dem Wege geräumt hat. … Trotzdem wird die Frage nach der eigenen Verantwortung nur schrittweise der Suche nach Sündenböcken weichen. Je näher Frauen der feministischen Ideologie stehen, umso zäher suchen sie nach Sündenböcken. … (more…)

Richtige und falsche Vergleiche

Jonathan Tobin, Chefredakteur des Philadelphia Jewish Exponent, plädiert wegen Chinas Tibetpolitik für einen Boykott der Olympischen Spiele. Denn die Tibeter verdienten die Solidarität des Westens:


As for Tibet, it may be difficult, if not impossible right now, to imagine that county ever regaining its freedom, but the same could have been said of the Soviet’s hold on the enslaved nations of the Baltic 25 years ago. The Tibetans and the Dalai Llama have a right to expect free people to hold faith with them the same as we once did with those in Eastern Europe a generation ago.


The fact that China is actively engaged in religious persecution in Tibet, as well as within its own borders (of nonstate authorized churches and mosques) also makes this an issue that Jews cannot ignore. Though the odds of success here seem long, a Jewish community that claims to care about human rights in other situations cannot remain silent about China.


Some fear that protests over Tibet will legitimize the effort to delegitimize Israel because of its conflict with the Palestinians. Still, there is no comparison between a tiny country defending its borders against a portion of the vastly more numerous Arab people that wishes to destroy the Jewish state and the spectacle of a vast power eradicating the ancient nation of Tibet. Nor is there any comparison between this and America’s overthrow of the Saddam Hussein regime in Iraq.

Myths about 1936 aside, the Berlin Olympics was a major victory for Hitler, not his opponents. The Chinese are hoping to match that success. This year, as in Munich in 1972, when the games were considered more important than the slaughter of Israelis, the athletes will still be the pawns of tyrants more than anything else.

Dialektik der Aufklärung

Der Blogger Chodo, der sich den “Brights” zurechnet - sich also als kämpferischer Atheist und Aufklärer versteht - und für den Dalai Lama nichts übrig hat, fühlt sich gleichwohl von den Hetzschriften eines Colin Goldner und seinesgleichen abgestoßen und bezeichnet sie als das, was sie sind, als

Schmutzige “Aufklärung”:

Ein gewisser Colin Goldner hat bei der Zeitung “Junge Welt” (einer marxistischen Zeitung) ein wirklich abstoßendes und offen suggestives Pamphlet gegen den Dalai Lama (und für die chinesische Regierung) veröffentlicht. Der Inhalt ist dermaßen lächerlich, dass es jedem gesunden Menschen sofort auffallen muss.

Bei dem Rest des Artikels frage ich mich, woher die “Fakten” eigentlich stammen? Ich mutmaße mal direkt aus China.

Im Zusammenhang mit China dem Dalai Lama mangelndes Demokratieverständnis vorzuwerfen ist auch harter Tobak.

Es heißt der Dalai Lama “behauptete er wahrheitswidrig” Menschenrechtsverbrechen. Where’s the beef? Kein Beleg, keine weitere Untermauerung, stattdessen der Verweis auf die Unruhen “am selben Tag”.

“Die Polizei ging konsequent gegen den Rotkuttenmob vor und nahm zahlreiche Verhaftungen vor.” Das ist so ziemlich der einzige Satz, der sich mit den Handlungen der Chinesen befasst. Etwas mehr werden sie schon gemacht haben.

Selbst wenn die Vorwürfe in dem Artikel von Goldner die ausgemachte Richtigkeit hätten, bliebe die Art und Weise ihrer Äußerung gleich empörend und verabscheuenswürdig.

Fortschrittsfreunde

Jungle-World-Dissident Stefan Wirner schreibt in der heutigen WELT über linke China-Apologeten, die den Tibetern in den Rücken fallen, weil der Dalai Lama ein “schmieriger Kostgänger des Westens (ist), der die Vergangenheit einer parasitären Mönchsdiktatur verkörpert.”

Norman Paech, der außenpolitische Experte (der Linksfraktion) … sagte dem Berliner “Tagesspiegel”, “bei aller Farbigkeit und allem schönen Traditionalismus” trage das System des tibetischen Buddhismus auch “sehr starke feudale Elemente, die hinter dem freundlichen Lächeln des Dalai Lama verschwinden”. In der Frage der Menschenrechte zeigte Paech sich überzeugt, dass die Chinesen “da einen großen Schritt weitergekommen sind”.

… Die Linke hat kein grundsätzliches Problem mit der Religion - es kommt ihr schlicht darauf an, in welchen Diensten diese steht. Wenden sich religiöse Führer gegen den Westen und die Demokratie, so sind sie durchaus ein möglicher Bündnispartner. Die Tageszeitung “Junge Welt”, die dem radikalen Spektrum der Linkspartei nahesteht, brachte es in einem Kommentar auf den Punkt: “Khomeini war der Inspirator einer antiimperialistischen Volkserhebung, die das Antlitz der Region entscheidend verändert hat. Der Dalai Lama ist ein schmieriger Kostgänger des Westens, der die Vergangenheit einer parasitären Mönchsdiktatur verkörpert.” (more…)

Bilderloses Grauen

Hannes Stein macht auf einen gefährlichen blinden Fleck im Bewußtsein der westlichen Öffentlichkeit aufmerksam:

Was entgeht uns, während die ganze Welt … mit dem Krieg gegen den radikalen Islam beschäftigt ist …: Welchen Fehler sind wir gerade jetzt im Begriff zu begehen, der uns im Rückblick geradezu lachhaft offenkundig vorkommen wird, für die Zeitgenossen aber auf seltsame Weise unsichtbar bleibt? …

Wenn ich meinen letzten Silberdollar wetten sollte, was der Menschheit in 50 Jahren … erhebliches Kopfzerbrechen bereiten wird, dann würde ich sagen: der Wiederaufstieg des Sozialismus. …

Dafür gibt es – mindestens – drei Gründe. Erstens hört das Versprechen des Sozialismus nicht auf, verführerisch zu sein. Es ist ja einfach wahr, dass der Kapitalismus außer enormem Reichtum auch soziale Gegensätze produziert; … dass die auf Eigentum basierende Marktwirtschaft sich ideologisch nicht rechtfertigen kann. Sie funktioniert halt, das ist alles. …

Zweitens ermöglichen die sozialistischen Theorien (allen voran der Marxismus) denen, die an sie glauben, ungeheuer viel zu verstehen, ohne dass sie ungeheuer viel studieren müssten. An allem Elend sind im Zweifel die sozialen Verhältnisse schuld. …  Das lästige Herumrecherchieren, das Stochern in banalen Fakten entfällt. (Man darf es als „Positivismus” sogar von Herzen verachten.) …

Drittens gilt der Sozialismus – im Gegensatz zum Faschismus – als rein und unschuldig. Ich bin nicht sicher, ob in 50 Jahren noch irgendjemand (außer den Juden und den Deutschen) wissen wird, was Auschwitz war. Ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass sich bis dahin kein Mensch mehr an den Archipel Gulag erinnert. Schon heute befindet der Stalinismus sich kaum mehr im öffentlichen Bewusstsein. Der Grund ist simpel: Es gibt kein verbreitetes, kein jederzeit aus dem Gedächtnis abrufbares Bild vom Gulag. Anders als die Bahngeleise, die zur Rampe von Auschwitz führen, ist die Landschaft von Workuta nicht Teil der populären Mythologie. Es gibt nicht einen Hollywoodfilm über den Archipel Gulag …
Es gibt übrigens auch keinen Film über jenen namenlosen Horror, der so nett als „chinesische Kulturrevolution” bezeichnet wird. Mit anderen Worten: Wer den Nazis sein „Nie wieder!” entgegenschmettert, kann auf einen reichen Fundus von historischen Reminiszenzen zurückgreifen. Wer den sozialistischen Nostalgikern mit einem „Nie wieder” begegnen will, hat lediglich das dünne Bewusstsein von irgendetwas Ungutem auf seiner Seite. Auf wie vielen Bücherregalen dieses Planeten stehen denn die Bücher von Alexander Solschenizyn und Robert Conquest?

Richard Löwenthal zum 100.

Der jüdische Sozialdemokrat und Politikwissenschaftler Richard Löwenthal wurde von den maoistischen 68er-Studenten verfemt und ist deswegen heute nahezu vergessen. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Eine schöne Würdigung erfährt er durch den Historiker Heinrich August Winkler in der WELT.

Veröffentlicht in: on April 15, 2008 at 2:20 Kommentare (0)
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Veröffentlicht in: on April 8, 2008 at 12:31 Kommentare (0)
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One Apple a Day Keeps the Doctor Away

Na bitte, Sport ist völlig überflüsig, es gibt besseres, um seine Gesundheit zu erhalten. Das berichtet das Rote Kreuz:

Das 10-minütige Betrachten von Frauenbrüsten ist für Männer genauso gesund wie eine halbe Stunde körperlicher Betätigung. Dies fand eine deutsche Studie heraus, die kürzlich in New England Journal of Medicine veröffentlichet wurde. Durch die sexuelle Erregung wird der Herzschlag beschleunigt und die Blutzirkulation angeregt. Dadurch verringert sich das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt um 50%. Durch das regelmäßige Betrachten großer Frauenbrüste könne der durchschnittliche Mann seine Lebenszeit um etwa 4-5 Jahre erhöhen, fassten die Untersucher das Ergebnis zusammen.

(Dank an Kasia für den Hinweis.)

Veröffentlicht in: on April 6, 2008 at 11:21 Kommentare (2)

Bloß kein Durchschnitt

Bas Kast räumt im Tagesspiegel mit dem Mythos auf, der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen beruhe auf Diskriminierung:

Männer sind sowohl dümmer als auch schlauer als Frauen. Frauen dagegen „bewegen sich eher um den Durchschnitt“, wie es die britische Psychologin Helena Cronin von der London School of Economics formuliert – und das, meint die Expertin, könnte auch Licht auf die Frage werfen, weshalb Frauen bis heute so selten in den Spitzenpositionen der Gesellschaft anzutreffen sind. Denn natürlich sind auch Spitzenpositionen Extreme.

Lange Zeit hat man diesen Erklärungsansatz totgeschwiegen, nicht zuletzt aus politischer Korrektheit. Doch gibt es inzwischen so viele Hinweise, die für die „Extremhypothese“ sprechen, dass mehr und mehr Psychologen – oft Psychologinnen – sich hervorwagen. (more…)

Was zusammengehört

Es ist kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt, Überbleibsel einer früheren Bewohnerschaft, zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung oder Entnationalisierung die fanatischen Träger der Konterrevolution. Friedrich Engels, 1849 (MEW Band 6, S. 172)

Die linke Flanke unserer gemütlichen kleinen “prowestlichen” Blogokugelzone - namentlich das Bad Blog - findet es gar nicht gut, daß die reaktionären Tibeter sich gegen das fortschrittliche China erheben. Denn der Einmarsch der Chinesen 1950 und das Massaker an zehntausenden Tibetern unter dem Großen Vorsitzenden Mao Zedong neun Jahre später gilt in diesen Kreisen bis heute als zivilisatorische Mission gegen den buddhistischen Klerikalfaschismus, der unweigerlich wiederauferstehen würde, sollte der finstere Dalai Lama wieder ans Ruder kommen. Das Bad Blog flüchtet sich - durch kenntnisreichere Kommentatoren, die sich sowohl mit chinesischer Geschichte als auch mit der Geschichte des Kommunismus beschäftigt haben, in die Enge getrieben - sogar in linken Geschichtsrevisionismus, indem es die größte Hungerkatastrophe der Menschheitsgeschichte, die durch Maos “Großen Sprung” ausgelöst wurde, dem schlechten Wetter und der mangelnden Hilfsbereitschaft des Westens anlastet:

Und erkläre mir mal, wie eine Hungerkatastrophe, die vom schlechten Wetter verursacht wurde, den Maoisten in die Schuhe zu schieben sei? Wo doch der tolle Westen seine Hungerhilfe verweigert hat, oder dafür soviel Geld verlangt hat, dass es für die Chinesen zu teuer war.

Gewährsmann für diese Geschichtsauffassung ist für Bad Blog - wie auch für Lizas Welt - der Journalist Colin Goldner, Psychologe, Kulturanthropologe und Autor für Jungle World und Junge Welt - außerdem Mitglied im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten und der Giordano Bruno Stiftung.

In der rotbraunen und antizionistischen Jungen Welt hetzt Goldner offen gegen den tibetischen “Rotkuttenmob”, der vom Dalai Lama angeblich zum Terror gegen friedliche Chinesen aufgehetzt worden sei.

Im Internet kursierten wenig später erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate.

Wird schon stimmen, wenn es im Internet kursiert. Wozu sollte ein kritischer Journalist das dann noch nachprüfen?

Und noch ein weiteres Verbrechen des Dalai Lama hat Colin Goldner aufgedeckt: Auf der Website der von Goldner mitbegründeten Tierrechtsorganisation 4pawsnet wird gnadenlos enthüllt, daß der Dalai Lama sich perfiderweise als Tierschützer und Vegetarier ausgibt, obwohl er beides nicht ist. Pfui!

Wenn es um China und Tibet* geht, paßt zwischen die Steinzeitkommunisten von Junger Welt und der Partei DIE LINKE und die “prowestliche” Linke, die von den Feindbildern USA und Israel glücklicherweise Abschied genommen hat, kein Blatt Papier. Die schlichte humane Erkenntnis, daß man Menschengruppen, die nicht Trägerin der geschichtlichen Entwicklung sind, nicht einfach wie Völkerruinen oder Völkerabfälle behandeln darf, die man getrost vertilgen kann, ist in diese aufgeklärten Kreise noch nicht vorgedrungen.

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*Oder die Sowjetunion und Afghanistan, Rußland und Tschetschenien, Serbien und Bosnien bzw. Kosovo etc.